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Medikamente richtig geben: So klappt es bei Hund und Katze
Tabletten, Tropfen oder flüssige Medikamente zu verabreichen, klingt zunächst einfach. In der Praxis sehen das viele Hunde und Katzen allerdings anders: Die Tablette landet neben dem Napf, wird geschickt wieder ausgespuckt oder das Tier verweigert plötzlich das gesamte Futter.
Dabei ist eine zuverlässige Medikamentengabe ein wichtiger Teil der Behandlung. Wir haben einige praktische Tipps zusammengestellt, mit denen die Eingabe für Tier und Mensch möglichst unkompliziert und stressarm gelingt.
Die wichtigste Regel: Die richtige Dosis muss ankommen
Medikamente können nur dann wie vorgesehen wirken, wenn Ihr Tier die verordnete Menge tatsächlich aufgenommen hat. Gerade bei Tabletten sind Hunde und Katzen erstaunlich geschickt darin, das Medikament
unbemerkt wieder auszuspucken.
Beobachten Sie Ihr Tier deshalb nach der Eingabe kurz und kontrollieren Sie bei Medikamenten im Futter, ob die gesamte vorbereitete Portion gefressen wurde.
Wichtig: Bitte verändern Sie die Dosierung oder die Art der Verabreichung nicht eigenständig. Nicht jedes Medikament darf geteilt, zerdrückt, aufgelöst oder zusammen mit Futter gegeben werden.
1. Medikamente im Futter verstecken
Bei vielen Tieren ist dies die angenehmste Methode. Die Tablette kann – sofern das jeweilige Medikament dafür geeignet ist – in einer kleinen Portion Nassfutter oder in einem besonders beliebten Leckerbissen versteckt werden.
Verwenden Sie dafür lieber eine sehr kleine Futtermenge statt einer ganzen Mahlzeit. So lässt sich besser kontrollieren, ob Ihr Tier die vollständige Dosis aufgenommen hat. Erst danach bekommt es den Rest der Mahlzeit.
Manche Hunde schlucken ein entsprechend vorbereitetes Leckerli ohne zu zögern. Katzen prüfen ihren vermeintlichen „Snack“ oft etwas genauer. Hier kann es helfen, zunächst ein Leckerli ohne Tablette, anschließend das präparierte Stück und unmittelbar danach wieder eine kleine Belohnung anzubieten.
2. Tabletten-Leckerlis und formbare Snacks
Im Handel sind spezielle weiche Leckerlis erhältlich, in denen sich eine Tablette vollständig verstecken lässt. Sie können besonders bei Tieren hilfreich sein, die Medikamente im normalen Futter schnell entdecken.
Achten Sie allerdings auf mögliche Futtermittelunverträglichkeiten, Allergien oder spezielle Diäten. Auch hier gilt: Im Zweifel fragen Sie uns, welche Variante für Ihr Tier geeignet ist.
3. Zerkleinern und im Futter untermischen
Bitte nur nach Rücksprache mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.
Manche Tabletten dürfen problemlos geteilt werden, bei anderen kann dadurch die Wirkung verändert werden. Das betrifft beispielsweise bestimmte Präparate mit verzögerter Wirkstofffreisetzung oder einem speziellen Überzug.
Auch das Zerreiben und anschließende Vermischen mit Futter ist nicht bei jedem Medikament sinnvoll. Zusätzlich haben einige Wirkstoffe einen sehr bitteren Geschmack. Was gut gemeint ist, kann dann dazu führen, dass Ihr Tier das komplette Futter verweigert.
Tipp: Wenn die Einnahme einer Tablette regelmäßig schwierig ist, sprechen Sie uns an. Je nach Wirkstoff gibt es möglicherweise eine andere Darreichungsform oder eine individuell besser geeignete Lösung.
4. Mit einer Eingabehilfe verabreichen
Eine Tabletteneingabehilfe kann besonders bei Tieren hilfreich sein, bei denen sich Medikamente nur schwer direkt ins Maul geben lassen. Die Tablette wird an der weichen Spitze des Eingebers befestigt und anschließend vorsichtig möglichst weit hinten auf dem Zungenrücken platziert. Durch Betätigen des Kolbens wird die Tablette freigegeben, sodass das Tier sie leichter abschlucken kann.
Bei sehr bitter schmeckenden Medikamenten kann es außerdem sinnvoll sein, die Tablette – sofern dies für das jeweilige Präparat geeignet ist – in einer Gelatinekapsel zu verpacken. So wird der unangenehme Geschmack beim Eingeben reduziert.
5. Eingabe direkt in das Maul
Lässt sich ein Medikament nicht im Futter verstecken, kann eine direkte Eingabe notwendig sein. Besonders bei Katzen ist dabei ein ruhiges Vorgehen wichtig.
Bereiten Sie zunächst alles vor und wählen Sie einen Ort ohne Ablenkung. Das Tier sollte sicher, aber möglichst sanft gehalten werden. Bei Katzen kann es hilfreich sein, den Körper vorsichtig in ein Handtuch einzuwickeln, sodass nur der Kopf frei bleibt.
Die Tablette wird möglichst weit hinten auf der Zunge platziert. Anschließend wird das Maul kurz geschlossen gehalten, bis das Tier geschluckt hat. Eine kleine Belohnung danach hilft dabei, die Situation positiv abzuschließen.
Bei Katzen kann es – abhängig vom jeweiligen Medikament – sinnvoll sein, anschließend etwas Wasser oder geeignetes Futter anzubieten, damit die Tablette sicher in den Magen gelangt. Fragen Sie uns gerne, was für das verschriebene Präparat empfohlen wird.
Wer sich bei der direkten Eingabe unsicher fühlt, sollte sich die Technik zeigen lassen. Unser Team der Tierklinik St. Veit hilft Ihnen gerne dabei.
Stress vermeiden – lieber eine kurze Pause machen
Je nervöser der Mensch wird, desto schwieriger wird die Medikamentengabe häufig auch für das Tier. Bereiten Sie deshalb alles in Ruhe vor und arbeiten Sie möglichst zügig, aber ohne Hektik.
Wenn mehrere Versuche hintereinander nicht funktionieren und Ihr Tier zunehmend gestresst oder abwehrend reagiert, machen Sie lieber eine Pause. Eine Medikamentengabe sollte nicht zu einem täglichen Kampf werden.
Auch starkes Speicheln oder Schmatzen kann unmittelbar nach der Eingabe vorkommen, insbesondere wenn ein Medikament unangenehm oder bitter schmeckt. Bei deutlichen Beschwerden, Erbrechen, Problemen beim Schlucken oder anderen ungewöhnlichen Reaktionen kontaktieren Sie bitte Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
Tablette wieder ausgespuckt – was jetzt?
Sind Sie nicht sicher, ob Ihr Tier die vollständige Dosis aufgenommen hat, sollten Sie nicht einfach eine weitere Tablette geben. Je nach Medikament könnte dadurch eine zu hohe Dosis entstehen.
Rufen Sie im Zweifel kurz bei uns an. Gemeinsam können wir klären, wie Sie weiter vorgehen sollen.
Es klappt einfach nicht? Wir helfen Ihnen gerne
Jedes Tier ist anders. Was bei einem Hund hervorragend funktioniert, kann bei einer Katze völlig ungeeignet sein – und umgekehrt. Oft reichen schon kleine Änderungen bei der Technik oder der Darreichungsform.
Unser Team der Tierklinik St. Veit zeigt Ihnen gerne, wie Sie das verschriebene Medikament möglichst sicher und stressarm verabreichen können. Sprechen Sie uns bei der Abholung des Medikaments oder bei Ihrem nächsten Termin einfach darauf an.
Unser Tipp: Fragen Sie bereits bei der Verschreibung nach, ob das Medikament mit Futter gegeben, geteilt oder zerkleinert werden darf. So ersparen Sie sich und Ihrem Tier unnötigen Stress.

